Warum Langeweile im Business etwas Gutes ist
Warum Langeweile im Business etwas Gutes ist
– und was das mit der Phase deines Business zu tun hat.
22. Juni 2026 | Cynthia Dauterstedt
In der Solobusiness-Welt existiert ein Mythos, der zum Fluch wurde: den der Selbstverwirklichung. Und mit ihm kommt der Fluch der Langeweile – scheinbar eine der größten Ängste, wenn es um Festlegung und damit Ausschluss geht – bei Nische, Angebot, Marketing und vielem anderen. Dabei ist ein Business auch, aber noch sehr viel mehr als Selbstverwirklichung: nämlich langwieriges, oft mühevolles Handwerk. Das ist gut so, denn es sorgt für Qualität. Wenn Langeweile eintritt, hast du sehr wahrscheinlich einiges richtig gemacht in deinem Business. Und in den ersten beiden Phasen deiner Business Entwicklung ist Langeweile das Letzte, um das du dir Sorgen machen musst.
Die Sache mit den Flüchen
In der Business Welt existieren diverse Mythen. Der Mythos des passiven Einkommens zum Beispiel. Oder der Kundengewinnung über Funnels und Oberflächen-Schnickschnack. Der Mythos der Überzeugung im Verkaufsgespräch.
Meist gehören sie zu den eher “dunklen Künsten” – denn sie verstecken Manipulation, Verführung, Druck und Sinnlosigkeit. Sie werden zu Flüchen, da sie uns, unbewusst oder aus Verzweiflung verinnerlicht, auf falsche Pfade schicken und das Leben schwer machen. Manche sitzen so tief, dass wir sie bewusst erst wahrnehmen, wenn uns jemand drauf aufmerksam macht. Ein Hoch auf Tad Hargrave.
Es gibt aber auch so ein paar in rosa Einhornkostümen verkleidete Mythen, die zu noch viel schlimmeren Flüchen werden können, eben weil sie erst einmal so harmlos und niedlich daherkommen.
Einer davon ist der Fluch der Selbstverwirklichung, und mit ihm einher geht der Fluch der Langeweile.
Hier findest du einen kleinen Impuls aus dem Wald, warum Langeweile im Business etwas Gutes ist, und warum du die Angst vor ihr v.a. in den ersten beiden Business-Phasen getrost in die Wüste – oder auf die Bahamas schicken kannst.
Der Fluch der Langeweile
Der blanke Horror für die meisten Selbständigen scheint die Langeweile zu sein.
Bei den größten Ängsten in Bezug auf das eigene Business wird sie aus meiner Erfahrung sogar noch vor der finanziellen Pleite genannt. Fürchten wir uns vor der Langeweile in unserem Business noch mehr als vor Existenzbedrohung?
Jein – ich denke, es hat mit 2 wesentlichen Dingen zu tun:
Erstens: Der innere Wunsch nach Selbstverwirklichung als Antrieb
Es liegt in der Natur von uns Selbständigen, dass wir primär aus intrinsischen Gründen diesen Weg einschlagen – zumindest die meisten von uns. Irgendwas ruft, sei es der kreative Funken in uns oder eine andere Form der Berufung. Es geht uns natürlich (auch) um Selbstverwirklichung. Wir wollen unsere Arbeit so gestalten, wie wir uns das wünschen, wollen uns austoben, einbringen, neu erfinden. Wir Menschen sind kreative Wesen im stetigen Wandel, und wer sich selbständig macht, möchte neben der Selbstbestimmung auch das alles.
Logisch, denn sonst könnten wir auch einen wesentlich einfacheren Weg des Geldverdienens wählen. Daran ist nichts falsch und es ist absolut notwendig für unser Business, uns diesen Funken Lebensenergie zu bewahren. Das ist das, was ich als Seele des Business bezeichne. Zumindest ein Teil davon.
Zweitens: Der von außen eingefüsterte Anspruch der absoluten Erfüllung
Andererseits – und hier wird es tricky mit den dunklen Mächten – gibt es da diesen aus meiner Sicht von außen vermittelten Anspruch an das eigene Business, dass es permanent die absolute Erfüllung sein muss, damit es erfolgreich ist.
Und wie das mit allen dunklen Künsten im Rauschen der Welt ist, dem wir ausgesetzt sind, verinnerlichen wir das Bild vom ewig erfüllenden, niemals schweren, niemals langweiligen Business. Es soll uns nähren, emotional, kreativ, materiell, spirituell…
Und auch wenn es möglich ist, dass ein Business das tut, und auch der Anspruch, dass man es sich so hinbaut, dass es das kann, ein hehres Ziel sein darf, ist die unabdingbare Absolutheit dieses Anspruchs definitv kein Segen, sondern Fluch.
Das arme Business, stell dir vor, du würdest solche Ansprüche an deinen Lebenspartner stellen… (wobei uns die dunklen Mächte oft genug auch dazu zu verführen suchen).
Der Mythos ist also der: dir darf in deinem Business nicht langweilig werden, denn dann hast du denselben grauen, faden Allerlei-Brei, den du in der Anstellung schon nicht ausgehalten hast (wenn du jemals in einer warst) oder vor dem du dich Zeit deines Lebens sowieso schon immer gefürchtet hast und darum die Selbständigkeit schon immer nur Plan A bis Z sein konnte.
Langeweile ist also unbedingt unter allen Umständen zu vermeiden (sonst bist du gescheitert) – so ungefähr geht die Erzählung des Fluchs.
Und zack, sind wir drin im Dilemma.
Wie alles auf der Welt hat auch die Sache mit dem erfüllenden Business nämlich noch eine zweite Seite der Medaille:
Erfüllung braucht auch Erfolg. Sonst ist es kein Business, sondern ein Hobby.
Und Erfolg kommt, wenn man sich um die teilweise rotzlangweiligen, anstrengenden, unkreativen, strukturellen fundamentalen Bausteine seines Business kümmert. Und das gemeine daran – die brauchen verdammt viel Zeit.
Wie viel Zeit, hängt von dir, deinen Ressourcen, den äußeren Umständen ab. Aber ich bin mittlerweile an dem Punkt aus meiner Erfahrung heraus zu sagen – rechne mit 3-5 Jahren und länger, bis du überhaupt in Phase 2 angekommen bist. Und dann fängt der Spaß erst richtig an 😉
Bis einem also tatsächlich langweilig wird im Business, hat man – neben den sehr spaßigen und kreativen Dingen wie Angebotsgestaltung, Konzeption und alles, wo du sonst noch in deiner Komfortzone bist (Website basteln, Blogartikel schreiben, Videos aufnehmen, Visitenkarten gestalten….) – sehr viel mit Strukturaufbau, Routinen, Etablierung von Prozessen und Strategien zu tun.
Business Handwerk.
Der Schrank will nicht nur entworfen werden, er muss auch tatsächlich gebaut werden.
Ja, Selbstverwirklichung ist ein immens wichtiger Teil der ganzen Unternehmung (zumindest wenn sie aus einem intrinsischen Ruf heraus erfolgt) – aber sie ist eben “nur” auf der einen Hälfte verortet. Die andere Hälfte besteht aus Fleiß, Disziplin, noch mehr Fleiß, noch mehr Disziplin. Und die beiden kommen mit dem Ernst der Realität, ohne rosa Einhörner.
Langeweile ist ein Zeichen dafür, dass dein Business läuft.
Dieser absolut notwendige Lebensfunken im Business, die Berufung, die Mission, der Purpose, wurscht, wie du das nennst, hat nichts mit der Langeweile zu tun, also nicht damit, dass der Funken ausgeht, wenn die Langeweile kommt.
Ich sage: wenn dir langweilig wird, ist das ein gutes Zeichen, denn dann hast du einiges richtig gemacht, dann läuft dein Business.
Im Business-Wachstum: nicht Langeweile, sondern Stress und Frust.
Die meisten Solobusiness-Inhaber, mit denen ich tagtäglich zu tun habe, befinden sich irgendwo in Phase 2 ihres Business – sie leben davon, oft auch wirklich gut, aber es ist ruckelig, stressig, mal zu viel, mal zu wenig, nicht planbar, nicht stabil. Und ja, auch hier gibt es innere Faktoren, wie gefühlte Sinnlosigkeit oder latente Unzufriedenheit, weil sie sich nicht richtig ausleben können. Das Business ist noch nicht so richtig das Zuhause für die Berufung, wo sie sich auch in 15 Jahren noch sehen.
Im Business-Aufbau: alles, aber keine Langeweile.
Einige wenige sind noch in Business Phase 1 – mit einem halben Bein noch in einem Job zum Geldverdienen, im Aufbau, im Experiment Selbständigkeit. Langeweile kommt hier garantiert nicht vor, denn die Phase ist gekennzeichnet vom Ausprobieren.
Langeweile kommt wenn überhaupt erst in Phase 3
Das eigentliche Ziel von beiden (auch wenn die meisten das so nicht kategorisieren würden): Phase 3 – denn in Phase 3 ist das Business so stabil, erprobt und erfolgreich, dass es Momentum generiert. Es gibt ein funktionierendes Business Modell und planbaren Umsatz – das ganze Jahr. Jedes Jahr. (Was nicht heißt, dass das von alleine läuft, aber das ist ein Thema für ein anderes Mal).
Wenn du anfängst, dich in deinem Business zu langweilen, kannst du dich freuen, denn dann läuft der Laden und du bist ziemlich sicher in Phase 3 angekommen. (Und ernsthaft, alles davor ist weniger Langweile als viel mehr Frust, Stress und Unsicherheit, die sich in den beiden ersten Phasen ausdrücken).
Was ich aber immer wieder von Selbständigen in Phase 1 und 2 höre, wenn ich in Seminaren, Workshops oder Einzelsitzungen nach der größten Angst bei einer Entscheidung frage (egal, ob Nische, Angebot, Strategie, Marketing-Kanal….), denn Entscheidung bedeutet immer auch festlegen, Nein zu anderen Dingen: es ist die Angst vor der Langeweile.
Und ich mache ihnen sicher keinen Vorwurf, denn genau das ist der Fluch dieses Mythos – dein Business muss die absolute Erfüllung sein, die absolute Selbstverwirklichung.
Ja, kann es. Auch. Ich wünsche es dir, dass es zumindest die berufliche Erfüllung ist oder wird.
Aber es MUSS auch noch etwas anderes sein – nämlich ein funktionales Geschäftsmodell, das deinen Lebensunterhalt bis zu deinem Tod bewerkstelligen kann.
Und das baust du weder in 5 Jahren noch allein mit Spaß und Kreativität auf.
Wenn die Langeweile überhand nimmt
Es gibt natürlich den Fall, dass man sich ein Business Model gebaut hat, das durchaus in Phase 3 zu verorten ist, das funktioniert und verlässlichen, planbaren Umsatz bringt, und das auch noch läuft, wenn man sich mal drei Monate eine Auszeit nimmt.
Und sich dennoch langweilt. Einen die eigene Arbeit ankotzt.
Vielleicht hat man sich ein “Haus” gebaut, das einem einfach nicht passt, auch wenn es funktioniert.
Hier wird es schwer, denn wie soll man etwas ändern, was einem zuverlässig den Lebensunterhalt bestreitet und in das man so viel Mühe hineingesteckt hat, damit es das werden kann.
Aus meiner Erfahrung braucht es hier selten einen kompletten Pivot, so gut wie nie alles neu, alles anders.
Es braucht dann vielmehr den Wandel des bestehenden Business in eine erwachsenere Form, eine, die mehr zur Expertise und dem Wesen des Menschen passt, der das Business führt. Meist genügt ein anderer inhaltlicher Fokus, ein anderes Format, auch wenn der erprobte Prozess und die Methodik bleiben.
Und manchmal gibt es auch ganz andere Wege, wieder Lebensenergie und Kreativität in sein Business zu bringen, ohne das Angebot anzufassen.
Langeweile kann auch etwas Gutes sein
Meine geschätzte Kollegin Gemma Gilbert hat dazu kürzlich in einem Workshop eine geniale Empfehlung abgegeben (sie hilft den Business Inhabern, die ein bereits gut laufendes 1:1 Business haben, in ein Gruppen-Geschäftsmodell zu switchen) – sinngemäß war das die Aussage:
Wenn es langweilig wird, ist es nicht an der Zeit, neue Angebote zu kreieren und damit dein Business Model über den Haufen zu schmeißen (denn das ist die Konsequenz davon, wenn man ständig neue Angebote kreiert, statt sich auf eines zu fokussieren und das richtig auszufeilen) – sondern deine Kreativität im Marketing auszutoben.
Recht hat sie.
Denise Duffield-Thomas besitzt ein sehr erfolgreiches Business, in dem sie ein einziges Seminar verkauft. Sie macht nur das, immer wieder. Alle Wege in ihrem Business führen zu diesem einen Angebot. Das Geschäftsmodell ist etabliert und perfektioniert. Es läuft. Auf die Frage, ob ihr denn damit nicht langweilig werden würde, antwortete sie:
„Well, I just bought a fucking rose farm cuz I was bored.“
Wenn dein Business so gut läuft, dass es langweilig wird, kannst du die freigewordenen Ressourcen auch in andere Dinge stecken – Selbstverwirklichung in einem Hobby, das kein Geld verdienen muss. Deine Familie. Deine Gemeinschaft.
Ich will damit nicht sagen, dass wir alle nur noch auf den Profit schauen sollen, um dann unser Vergnügen woanders zu suchen – wobei Profit eben auch einen Platz auf dem Kompass haben muss – ich will damit sagen, dass die Angst vor der Langeweile das letzte ist, worüber du dir Gedanken machen solltest. Bewahre dir den Funken deiner Berufung, unbedingt, das ist die Seele deines Business.
Aber bis Langeweile ein ernstzunehmendes Problem für dich wird, gibt es viel wesentlichere Baustellen, um die du dich kümmern darfst.
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Vertiefung Phase 1 – Entstehung
Schöpfung, Experiment und Kreativität
Ein Aufruf zur inneren Standortbestimmung und Experimentierfreude für Starter der Selbständigkeit, die diesen Weg als Ausdruck ihrer Berufung gehen wollen. Erfahre, wie du diese Phase ohne Druck gestalten kannst.
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Vertiefung Phase 2 – Wachstum
Kreation der eigenen Arbeit und Strukturaufbau
Der Grundstein des stabilen, verlässlichen Business. Sie sollte so kurz wie möglich sein, und doch bleiben die meisten von uns hier hängen. Ein Wegweiser für Klarheit, Fokus und Struktur, Strategien für nachhaltige Selbständigkeit.
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Vertiefung Phase 3 – Entfaltung
Stabilität und Verwurzelung, ein Zuhause für deine Arbeit
Ein ganzheitlicher Gegenentwurf zur Startup-Broschüre – für Selbständige, die ein Business wollen, ohne ein Unternehmen zu gründen. Klingt paradox? Nein – denn Phase 3 ist das Ziel der meisten von uns: Leichter, erfüllter, verlässlicher arbeiten, bei maximaler Selbstbestimmung und finanzieller Freiheit.
Manchmal ungewöhnliche, aber immer ehrliche Business Themen.
Für mehr Freude, Integrität und wilde Leichtigkeit in deiner Unternehmung.


















