Stürmische Zeiten brauchen tiefere Wurzeln
Stürmische Zeiten brauchen tiefere Wurzeln
26. März 2026 | Cynthia Dauterstedt
Eichen macht ein Sturm so schnell nichts aus. Kein Wunder, sie sind Tiefwurzler – ihr Schlüssel zur Standhaftigkeit. Dasselbe Prinzip gilt auch für’s Business – stürmische Zeiten brauchen tiefere Wurzeln. Heißt für uns: Konsistenz. Bei einer Sache bleiben und die richtig gut machen, statt ständig Neues zu probieren. Eine Herausforderung in Zeiten wie diesen, aber der Schlüssel zur Standhaftigkeit. Denn Glaubwürdigkeit und Vertrauensaufbau brauchen Tiefe und Zeit. In diesem Artikel geht es vor allem um die Tiefe von Positionierung und Angebot, wieso Angst vor Festlegung dich nicht weiterbringt und ein Plädoyer dafür, warum Langeweile im Business etwas Gutes ist. Am Ende findest du ein paar ganz konkrete Dinge, die du in deinem Business umsetzen kannst.
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“In times of uncertainty, go deeper.”
Dieser weise Ausspruch stammt von dem von mir hochgeschätzten Tad Hargrave (Marketing for Hippies). Er macht darauf aufmerksam, dass es gerade dann, wenn Dinge unsicher werden, Märkte und Kundenverhalten sich verändern, Umbrüche stattfinden, es umso wichtiger ist, das Fundament des Business zu stärken, in die Tiefe zu gehen und grundsätzliche Dinge zu verbessern, zu stabilisieren, zu verstärken… statt andauernd Neues anzustoßen.
Recht hat er, das kann ich aus eigener (schmerzlicher) Erfahrung und dem, was ich bei meinen Kunden sehe, bestätigen. Je tiefer die Wurzeln, umso besser lassen sich Stürme überstehen. Frag die Eiche, die weiß Bescheid.
Aus meiner Sicht betrifft das jeden essentiellen Bereich des Business – Finanzrücklagen, planbare Umsätze, Angebote, Positionierung, Systeme und Strukturen, Marketing-Rhythmen, erprobte, wiederholbare Wege.
Aber heute soll es besonders um die doch irgendwie alles andere beeinflussenden Bausteine gehen: Positionierung und Angebot.
Heißt konkret: je flacher, breiter – also: generischer – ein Business aufgestellt ist, umso weniger Resonanz erzeugt es.
Es bekommt dadurch nicht mehr, sondern weniger oder gar keine Kunden. Therapeut zu sein, reicht nicht, um Selbstzahler davon zu überzeugen, in eine Zusammenarbeit zu gehen. Ebensowenig reicht es, Business Coach zu sein. Und es macht auch Sinn, in einem vollen Markt eine Spezialisierung zu wählen und dort dann RICHTIG gut zu werden.
Der Markt verändert sich
In den vergangenen Wochen habe ich einige Recherchen zur Lage des Coaching Marktes angestellt, wo er sich hin entwickelt, was die größten Herausforderungen und Risiken sind – und die Frage treibt zur Zeit so ziemlich alle Kollegen hierzulande und im internationalen Umfeld um: wir alle stellen uns die Frage, ob die Branche angesichts wirtschaftlicher Probleme und KI-Vormarsch eine Zukunft hat. In den Gesprächen und Runden zu dem Thema spiegelt sich das gleiche Bild, das die Marktanalyse ergeben hat, und das nicht nur für Coaches relevant ist. Ähnliches gilt auch für Berater, Heiler, Therapeuten, alle, die in irgendeiner Form in der intensiveren Begleitung von Menschen unterwegs sind und damit ihre Existenz versuchen zu sichern.
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Es wird nicht weniger Geld ausgegeben für diese Leistungen (der Business Coaching Markt wächst sogar) – aber die Menschen sind sehr viel skeptischer, kritischer und wählerischer als noch vor 5 oder sogar 3 Jahren, für was und für wen sie Geld ausgeben – aus schlechten Erfahrungen und wegen des Überangebots. Wenn das Geld knapp ist (und das ist oder wird es zusehends bei den meisten), wird genauer hingeschaut, was diese Ausgabe tatsächlich bringt.
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Dabei hat sich vor allem herauskristallisiert: sie suchen entweder ergebnisorientierte Lösungen für schmerzhafte, spezifische Probleme (die loszuwerden ist dringend, eine Nische auf den “Schmerzpunkt” Trumpf), oder sie suchen nach Erlebnissen, mit denen sie “entkommen” können – dem Alltag, der Vereinzelung, der Leere, was auch immer. Sie suchen dann vor allem Erfahrungsangebote, Gemeinschaft, gehaltvollen Zeitvertreib – oder einfach Schönes. Auch hier braucht es Besonderheit statt Einheitsbrei.
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Investitionsverhalten der Kunden ändert sich – Entscheidungen dauern länger, die Leute recherchieren mehr, wer die wahren Spezialisten in einem Themengebiet am Markt sind, sie wollen genau wissen, was sie bekommen und wer das da tatsächlich ist, der es anbietet (Glaubwürdigkeit, Erfahrung, Persönlichkeit, Expertise usw.).
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Die Leute suchen eher Erlebnis und maßgeschneiderte Information für ihre individuelle Situation. Sie kommen nicht für das “how to”, die generelle Anleitung, sondern für die individuelle Unterstützung und menschliche Verbindung, es gibt mehr Bedürfnis nach lokalen Angeboten, bei denen man sich wieder “in echt” begegnen kann.
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Die Informationsaufnahme hat sich massiv verändert in den letzten paar Jahren – Kurse und ähnliche Selbstlernangebote werden nicht mehr so gekauft wie zuvor, weil man die Information mittlerweile schneller und anderweitig bekommt.
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Und: sie werden immer sensitiver dafür, ob hinter einem Angebot ein echter Mensch aus Fleisch und Blut steckt, oder “doch nur wieder ein Computer.”
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Speziell der Coaching Markt befindet sich in einer „Glaubwürdigkeitskrise“, wie es viele Kollegen bezeichnet haben – was als Chance aber auch bedeutet, dass sich jetzt die Spreu vom Weizen trennt. Die Zeit der selbsternannten [füge hier deine Branche ein]-Gurus, die meist nur ein Buch über xyz gelesen haben und dir dann ihr “geheimes Rezept” für 5 Monatsmieten verkaufen, ist definitiv vorbei. Sturm sei Dank! Echte Expertise wird stärker gefragt als zuvor, weil Kunden sich schon zu oft die Finger verbrannt haben mit schlechten Angeboten.
Wer bestehen will, muss Glaubwürdigkeit und Vertrauen aufbauen.
Generisch ist tatsächlich vorbei. Wenn die Menschen vorsichtiger und wählerischer werden, wegen schlechter Erfahrungen oder weil sie schlicht kein Geld mehr zu verschenken haben, wenn es knapper wird, ist es angebracht, vor allem zwei wesentliche Bausteine des eigenen Business unter die Lupe zu nehmen, zu verbessern, zu schärfen, feinzuschleifen – kurz: zu vertiefen.
Was es jetzt mehr denn je braucht, ist Schärfe in der Positionierung und Nutzen im Angebot.
Vertiefe deine Positionierung
Nische
Wie der Name schon sagt – es geht darum, wie du dich positionierst. Das bedeutet immer, sich festzulegen. Nicht nur auf eine Zielgruppe, einen Markt, einen Themenbereich (der relativ eng sein kann wie z.B. “Mütter von Kindern mit Schulangst” oder auch breiter, wie z.B. “Menschen in Lebensübergängen”) – sprich: die Nische.
Deine Philosophie
Es bedeutet auch, sich mit seiner Arbeitsweise, dem eigenen Ansatz und der Ausrichtung zu positionieren (z.B. als klassisch ausgebildeter Psychotherapeut, der einen spirituellen Ansatz verfolgt, oder eine Wildnisschule, die nicht nur Outdoor-Skills lehrt, sondern einen ebenso wichtigen Fokus auf die Begleitung der inneren Prozesse ihrer Teilnehmer, die draußen immer angestoßen werden, legt). Ich nenne das “Business Philosophie”.
Irgendwie habe ich das instinktiv schon immer so ein bisschen gemacht, meine Weltsicht und meine Perspektive auf meine Arbeit irgendwie in meinen Auftritt einzubeziehen – einfach weil ich so bin. Tad Hargrave hat mir das Konzept dahinter aber erst richtig zugänglich und konkret umsetzbar gemacht, bei ihm heißt es Point of View Marketing.
Und ich gebe ihm Recht: die eigene Perspektive, der Point of View, wird viel zu wenig aktiv genutzt, um das eigene Business darzustellen und abzugrenzen, auf eine wahrhaftige, persönliche, ehrliche Art und Weise.
Die Sache ist die: Menschen wollen das Unternehmen kennenlernen, bei dem sie ihr Geld ausgeben, vor allem wenn es sich um die Branchen und Felder handelt, in denen wir so unterwegs sind – Businesses von Menschen für Menschen. In unserem Solo-Business sind wir das Unternehmen – wir Inhaber prägen es auf die direkteste Weise. Unsere Philosophie ist also ein entscheidender Faktor.
Ein Beispiel:
Als ich angefangen habe, Anbieter für eine Ausbildung in Wildnispädagogik oder ähnliches zu sondieren, wusste ich noch gar nicht so genau, was ich eigentlich suche. Ich war dabei, mich zu orientieren, habe mir Websites angeschaut, Ansätze und Inhalte gegeneinander abgewogen. Bis ich auf die Website besagter Wildnisschule kam, wusste ich nicht, dass das genau das war, was ich gesucht habe, aber als ich es las, war es klar. Ja, es waren auch die Ausbildungen und Seminare, die mich angesprochen haben, aber vor allem war es in erster Linie erst einmal ihre Philosophie – erst, als ich mit ihr in Resonanz gegangen war, wurden die Angebote an sich interessant.
Deine tatsächliche Expertise
Was auch zur Positionierung gehört, weil es direkt deine Nische und deine Philosophie beeinflusst, ist deine Expertise. Deine Positionierung sollte auf dem Stand deiner realen Expertise, deiner Erfahrung und deines Wissens (und deiner Weisheit ;)) basieren. Das heißt, sei auch hier wahrhaftig, berufe dich auf das, was du tatsächlich als Erfahrungswert hast.
Ich kann mich an Zeiten erinnern, in denen es hieß “fake it till you make it” – Himmel, ein recipe for disaster! Tu auf keinen Fall so, als wärst du etwas, was du (noch) gar nicht bist, sondern fokussiere dich auf das, was du jetzt schon gut kannst, wo du dich auskennst, und baue das aus.
Wenn du dich spezialisierst, auf ein Thema wie z.B. “Mütter von Kindern mit Schulangst” oder auch etwas Breiteres wie “Lebensübergänge gestalten”, aber bei der Sache bleibst, wirst du mit der Zeit immer besser. Du zehrst von den realen Erfahrungen, die du selbst machst und von den Erfahrungen, die du mit deinen Kunden in diesem Themenfeld, dieser Nische, sammelst.
Ich befasse mich seit mittlerweile über 25 Jahren mit dem Thema Berufung und Seelen-Aufgabe. Seit 15 Jahren im Kontext von Unternehmensorganisation und Selbständigkeit. Es kamen immer wieder Themen und Ausrichtungen hinzu, ich bin in mehrere Straßen abgebogen, die sich als Sackgasse herausstellten, aber am Ende ist das der rote Faden und jeder einzelne Schritt ein Erfahrungswert auf diesem Weg, von dem ich heute zehre.
Es geht darum, den Weg tatsächlich gegangen zu sein, Schritt für Schritt, nicht darum, ein Buch darüber gelesen zu haben und das dann als Wochenendseminar mit einem fancy Funnel unter die Leute zu bringen (Branchen-Rant over).
Das bedeutet übrigens nicht, dass du als Therapeut z.B. jede Erfahrung deiner Kunden selbst erlebt haben musst, sondern dass du echte Erfahrung in der Begleitung echter Kunden mit möglichst einem speziellen Problem haben solltest (z.B. die Mütter mit den Schulangstkindern). Die eigene Erfahrung mit diesem oder einem ähnlichen Problem kann aber in bestimmten Feldern durchaus hilfreich sein, wenn man durch den Schmerz schon hindurch ist.
Sei klar, worin du richtig gut bist und Expertise besitzt, und wenn du noch am Anfang stehst, werde besser in deiner Sache. Ein Mühlenbauer ist auch Zimmermann, er wird aber nicht besser im Mühlen Restaurieren, wenn er Carports und Dachstühle baut.
Vertiefe den Nutzen deines Angebotes
Die Analyse der Daten und Erfahrungsberichte meiner Kollegen (ah, da ist sie wieder, die reale Erfahrung…) sagt es ziemlich deutlich: Menschen suchen sowieso aber vor allem in Zeiten der wirtschaftlichen Unsicherheit und Knappheit konkrete Lösungen oder Ergebnisse (Schmerzlinderung, Erreichen eines Ziels, einer konkreten Veränderung), oder sinnstiftende, verbindende, nährende Erlebnisse (und das kann für jeden etwas anderes sein, auch darum ist Kenntnis der Zielgruppe so wichtig und damit: sich festzulegen!).
Für ersteres ist Spezialisierung auf Schmerz und “Medizin” wichtig, für letzteres eine glasklare Philosophie im Ansatz, beides braucht aber beides in gewisser Ausführung.
Es ist ein beobachtbarer Trend bei der Angebotsauswahl auszumachen:
Menschen wollen konkrete Ergebnisse, Unterstützung dabei, am Ball zu bleiben, Traktion zu erreichen, Fortschritt zu sehen.
Es gibt Millionen von Selbsthilfebüchern zu jedem x-beliebigen Thema, dennoch haben die Menschen noch immer mit denselben Dingen zu kämpfen, die diese Bücher behandeln. Es macht einen Unterschied, ob ich kognitiv etwas verstehe, oder ob ich im realen Leben in die Handlung komme. Ein Haus baut sich nicht, wenn ich Bücher über’s Hausbauen lese, und es wird garantiert irgendwas aufkommen, was in keinem dieser verdammten Bücher steht. Das Buch hilft mir, zu verstehen, auf was ich mich da unter Umständen einlasse – aber es verarztet nicht den Nagel im Fuß und auch nicht die Ehekrise mit meiner Frau, die nach 3 Jahren noch immer auf einer Baustelle wohnt. Schritt-für Schritt-Begleitung wird immer wichtiger.
Persönliche, maßgeschneiderte Dienstleistungen
stehen wieder höher im Kurs als selbstgeführte Onlinekurse – siehe Punkt oben und einfach weil Wissen mittlerweile anders abrufbar ist.
Wenn es keine Einzelbegleitung ist, werden sehr kleine Gruppen (ca. 4-5 Leute) bevorzugt.
Die sind meist anspruchsvoller zu betreuen, bieten aber für dich und deine Kunden preistechnisch einen guten Mittelweg zwischen intensiver, hochpreisiger Einzelbegleitung und günstigen “Massen”-Seminaren. Außerdem kannst du eine dedizierte Auswahl treffen, was dafür sorgt, dass die Gruppenmitglieder durch gute Passung enorm voneinander profitieren. (Das heißt nicht, dass nicht auch größere Gruppen bis vielleicht maximal 20 Leuten funktionieren, es geht hier um einen distinktiven Bedarf am Markt, den man, wenn er zum eigenen Angebot passt, bedienen kann.)
Die Menschen suchen nach einem tiefen Gefühl von Unterstützung und Verbundenheit, das die KI ihnen nicht geben kann.
Angebote, die analog oder auch online für Verbindung, Gemeinschaft und Erleben sorgen, werden nach wie vor gekauft, solange das Erleben und damit der “Nutzen” oder “Wert” erkennbar ist. Das funktioniert nur mit klarer Positionierung und dadurch auch Weiterempfehlung.
“Ich kann / will mich nicht festlegen…”
Der wohl am meisten gesagte Satz, wenn es um die Ausrichtung des eigenen Business geht. Und glaube mir, ich fühle deinen Schmerz! Festlegen kommt immer mit Angst vor falschen Entscheidungen, Kundenverlust, vielleicht auch einfach Langeweile.
Wer noch am Anfang seines Business steht, so ca. die ersten 3 Jahre, kann sich auch noch gar nicht festlegen. Man muss erst einmal Einzelkunden bekommen, das Angebot validieren, eine Nische überhaupt erst einmal durch Ausprobieren unterschiedlichster Sachen finden.
Man muss herausfinden, welche Botschaft ankommt – und man springt auch gerne von einer Nische zur anderen, weil man neugierig ist und viele Interessen hat. Man will sich nicht wirklich auf etwas Spezielles festlegen, man will eher breit bleiben, verschiedene Dinge ausprobieren, und das ist alles in Ordnung und auch notwendig.
Aber hier kommt mein FETTES ABER:
Willst du dein Ding machen oder willst du wirklich ein Business haben?
Wenn du ein Business haben willst, gibt es bestimmte Entscheidungen, die du treffen musst, und Dinge, die du tun musst, die dir unangenehm sind, und Nischenfindung ist definitiv eine davon.
Bei einer Nische zu bleiben, dafür ein Programm (meint hier Lösungsweg, Begleitungsfokus usw. oder auch ein fester Ablauf von Schritten) zu entwickeln, konkrete Angebote und Wege, die man mit den Kunden geht, dazu abgestimmte Marketing-Rhythmen zu etablieren, die hilfreich und nachhaltig sind – all das, was ein funktionierendes Business ausmacht, funktioniert nicht, wenn du drei verschiedene Programme entwickelst oder die unterschiedlichsten Angebote ohne gemeinsamen Kern hast.
Es dauert lange, das richtige Programm, die richtige Botschaft für ein Angebot herauszufinden, es zu testen, es zu verbessern. Es dauert Zeit, Vertrauen zu gewinnen und Leute zu haben, die dein Angebot weiterempfehlen.
Ich hatte als Key Account Manager in einer Werbeagentur mal einen Großkunden, der bei jeder “super neuen, super innovativen” Kampagnenentwicklung immer wieder mit dem Satz “Consistency is key!” kam. Wir haben das zwar ernst genommen, aber immer auch ein bisschen Schabernack mit dem Ausspruch getrieben, aber er hatte so Recht:
Konsistenz ist der Schlüssel zur Expertise, Qualität, Wiedererkennung und Weiterempfehlung. Wenn du ständig mehrgleisig fährst, mit mehreren Nischen, Angeboten, ist es verrückt, überall Konsistenz aufbauen zu wollen.
Erst recht in unsicheren Zeiten ist Stabilität und Konsistenz wichtig – es ist wahrscheinlich noch schwerer, Dinge ins Laufen zu bringen, Vertrauen aufzubauen, aber gerade deswegen ist es wichtig, früher damit anzufangen und länger dranzubleiben, eine Nische schneller auszuwählen und dann dabei zu bleiben.
Ja, ich verstehe und kenne von meinem eigenen Business die Nervosität, die richtige Wahl zu treffen – was, wenn ich mich voll auf eine Nische einlasse und dann daneben liege?
Die harte Wahrheit: Manchmal lernt man nur durchs Machen und etwas lange genug auszuprobieren, für ein, zwei oder drei Jahre, um zu sehen, ob es funktioniert (ah, da ist sie wieder, die Erfahrung).
Die meisten Business-Inhaber springen zu schnell von einer Sache zur nächsten, bevor sie richtig Fahrt aufnehmen kann, bevor sie richtig gut geworden ist. Wenn du immer wieder von vorn anfängst, wird es aber nie leichter.
Caroline Leon, bei der ich einmal Rat für mein Business und die Unsicherheit mit der richtigen Nischenwahl suchte, hat mir damals gesagt: “Niche for now!” – heißt, nimm das, was du da jetzt hast, und probiere es aus. Sprich mit realen Kunden, Interessenten, Followern, sieh, ob und was sich daraus entwickelt.
Meine Nische war zu der Zeit schon sehr klar, es war einfach nur die Angst, damit nicht landen zu können. Das würde ich aber nie erfahren, wenn ich es nicht ausprobiere.
Und mal ganz ehrlich: wenn man ein Business führt, gehört diese Unsicherheit einfach dazu. Ausprobieren, falsche Entscheidungen treffen, diese revidieren, wieder aufstehen, weitermachen. Die Aufgabe der ultimativen Sicherheit ist die Kehrseite unserer selbstbestimmten Arbeit, darüber muss sich jeder klar sein.
Auch als Business Inhaber mit Herz solltest du BUSINESS Inhaber sein.
Die meisten Selbständigen, die einen inneren Ruf haben, etwas bewirken und bewegen wollen, die ein Anliegen haben, gehen die Sache mit der Nische so an, dass sie ihrem Herzen folgen und dann herausfinden möchten, wie sie damit Geld verdienen können.
Gehen wir das doch mal andersherum an: lass uns erstmal schauen, wie wir dafür sorgen, dass dein Business Geld bringen kann, weil es etwas anbietet, was gebraucht und gewollt wird, und dann stecken wir Herz in alles, was du damit tust.
Denn wenn du keine Nische wählst, die Bestand hat, entwirfst du vielleicht ein Business, das unter Umständen nie den Test der Zeit bestehen wird – politische Veränderungen, wirtschaftliche Instabilität, all diese Unsicherheiten, mit denen wir heute konfrontiert sind.
Eine Nische, die Bestand hat, ist nicht dadurch gekennzeichnet, dass einmal etwas funktioniert. Wenn du das erste Mal ein Angebot verkaufst, ist das nicht die Bestätigung dafür, dass diese Sache die Zeit überstehen wird. Die wirkliche Bestätigung kommt, wenn du es wiederholt an Menschen verkaufst, die dich nicht kennen. Wenn du über deinen inneren Kreis aus treuen Kunden und Kontakten hinausgehst. Dann hast du einen Ruf, eine echte Reputation.
Es ist viel, viel schwerer, die anerkannte Autorität in vielen Dingen zu werden, als in einer. Deine ganze Arbeit und alles drumherum wird immer besser, wenn du dich festlegst und spezialisierst – auf ein Thema oder ein ganz spezifisches Problem. Qualität und wahre Expertise entstehen durch Wiederholung und Dauer.
Langlebigkeit in einer Sache ist der ultimative Vertrauensaufbau. Und dieses Vertrauen deinem Business und dir gegenüber signalisiert in Zeiten von Rezession und Skepsis Stabilität und Glaubwürdigkeit.
Das Gegenteil von Langeweile im Business ist Stress und Achterbahn!
Wenn ich mir meine letzten sechs Business Jahre in diesem Welten-Chaos und den vielen inneren und äußeren Umbrüchen so anschaue, hätte ich so langsam gegen ein bisschen Langeweile absolut gar nichts einzuwenden.
Gutes Geld zu verdienen, ein stabiles Einkommen und eine Reputation zu haben, ist eine richtig gute Sache – und ein Zeichen von Langeweile im Business. Weil es dann nämlich einfach läuft. Wenn wir mal ehrlich sind, ist das der Zustand, den wir Solo-Unternehmer eigentlich anstreben, denn dann ist Planbarkeit, Momentum und Stabilität statt Dauer-Hustle angesagt.
Und auch mit der Festlegung auf eine Nische gibt es innerhalb dieser tausende von Themen, über die du reden kannst, und die alle dennoch einem roten Faden folgen. Innerhalb des Angebots und der Transformation kannst du ebenfalls experimentieren, du musst nicht immer alles neu und von vorne kreieren, wenn dir langweilig ist. Mach aus einem Gruppenangebot eine Einzelbegleitung oder andersherum, passe einzelne Bausteine an, switche von online zu analog oder andersherum.
Ein langweiliges Business ist ein gutes Business, denn dann hast du endlich mal wieder Zeit für all die Unternehmungen deines privaten Freizeitlebens, ohne dir im Stillen Vorwürfe zu machen, dass du noch keinen Plan hast, wie du ab der zweiten Jahreshälfte die Rechnungen bezahlen sollst.
Dir mit guter Arbeit genug Raum für dein LEBEN zu erwirtschaften mit dem, was du gerne tust, ist alles andere als langweilig, und am Ende auch Sinn und Zweck unseres Abeitsfomats “eigenes Business” – uns das Leben zu ermöglichen, das wir führen wollen.
Mein Appell an dich ist folgender: werde erfolgreich genug, dass du es dir leisten kannst, deine Freizeit mit genug Dingen zu füllen, die du liebst.
Was du konkret in deinem Business tun kannst
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Höre sehr gut und sehr viel zu. Habe ein Ohr an deiner Zielgruppe (dafür brauchst du eben eine Zielgruppe) – wie reden deine Kunden und dein interessiertes Publikum über das, was sie wollen, brauchen, suchen, in welchem Kontext?
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Transparente Preise auf einer sauber geschriebenen Sales Page: wenn die Leute genauer scannen, gib ihnen alle relevanten Informationen, die sie brauchen, um für sich eine fundierte und gute Entscheidung zu treffen, ob dein Angebot das richtige ist und ob sie es sich leisten können / wollen. Ringe ihnen nicht die Notwendigkeit ab, mit dir in Kontakt gehen zu müssen, um die Basics herauszufinden.
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Sicherheit durch Integrität und Expertise: die Menschen suchen jemanden, der weiß, was er tut. Konzentriere dich auf eine Nische und gehe dort wirklich in die Tiefe. Das hilft nicht nur bei Ergebnissen für deine Kunden (wenn du seit Jahren mit Migräne kämpfst, gehst du dann eher zu einem Experten in dem Gebiet oder zu einem beliebigen Allgemeinarzt aus der ersten Google Suche?), sondern auch enorm bei wertvollem Marketing-Content.
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Proof of Concept: Beweise, dass du weißt, was du da machst. Case Studies statt anonyme Testimonials zeigen, wem konkret du wie und wobei konkret geholfen hast.
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Das Geld liegt beim “warmen Publikum”: völlig unbekannte Leute über eine Werbeanzeige oder ähnliches in deine Welt zu holen ist fein (vorausgesetzt du hast eine glasklare Nische, sonst bringt dir Werbung rein gar nichts), aber die wenigsten werden (die Quote liegt je nachdem bei 2 bis maximal 10%) mit einer Kaufabsicht kommen. Was danach zählt, ist das, was man im Marketing-Kontext „Nurturing“ nennt – nähren, in Verbindung bleiben. Das machst du über wertvollen Content, der auf deine Zielgruppe zugeschnitten ist und ihnen zeigt, dass du weißt, was du da tust.
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Der Wahrheit verpflichtetes Marketing: Skalierungs-Marketing über einfache Freebies, Webinare und andere Funnels (die die meisten feinfühligen Dienstleister als auch deren Kunden irgendwie sowieso schon immer nervig fanden, weil es nie um Nutzen, sondern immer sehr schnell um Sales ging) funktionieren nicht mehr – du musst erst Vertrauen aufbauen, bevor dein Publikum Kaufentscheidungen trifft.
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Echte Konversation statt Social Media (und anderes) Rauschen: ich denke, dass Social Media für einige Businesses nach wie vor hilfreich sein kann (sofern man es als Unternehmen schafft, dort auf eine für einen selbst gesunde und nachhaltige Weise präsent zu sein, aber das ist ein soooooo weites Thema für sich). Aber es geht definitiv ohne und für viele Inhaber in menschen-fokussierten Leistungsbereichen ist echte live-Konversation sehr viel zielführender (das Eschwege-Institut, bei dem ich seit 2023 in Ausbildung zur Initiatischen Prozessbegleitung ® bin, bietet z.B. regelmäßige Online-Treffen, den sog. Explorationsraum, an, wo man das Institut, deren Methoden und Haltung unverbindlich kennenlernen kann.)
Manchmal ungewöhnliche, aber immer ehrliche Business Themen.
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