Die tiefere Wahrheit unserer Business Probleme
11. Juli 2025 | Cynthia Dauterstedt

Unseren Business Problemen liegt eine tiefere Wahrheit zugrunde. Photo by Alain Wong on Unsplash
Was, wenn deine individuelle Business-Krise eine kollektive Botschaft trägt? Viele Business Inhaber sehen sich mit immerwiederkehrenden Problemen konfrontiert, fühlen sich erschöpft oder überfordert – oft mit dem Gefühl, selbst schuld daran zu sein. Doch was, wenn die wahren Ursachen viel tiefer liegen, wenn die Wurzel dieses Schmerzes in den kollektiven und systemischen Wunden liegt – und wir gerade deswegen in unseren einzelnen Businesses die Bewältigung und Heilung dafür finden?
Inhalt
Ein gutes Business ist ein ganzheitliches Business
Auf meiner Business-Philosophie Seite schreibe ich, was aus meiner Sicht die Ursachen dafür sind, wenn ein Business nicht richtig funktioniert – was fehlt oder nicht richtig integriert ist, wenn es zu Frust kommt, Überforderung, Stress im Arbeitsalltag, wenn die Erfüllung hopps geht und es einfach nicht so läuft, wie man das mal geplant oder sich gewünscht hatte.
Viele gute, ambitionierte, bewusste und engagierte Business Inhaber treten mit Leidenschaft für etwas an, gehen in Eigenverantwortung, indem sie sich selbständig machen, Dinge gestalten und verbessern wollen, weil sie einen Bedarf sehen in der Welt, einen Schmerz lindern und etwas möglich machen wollen. Doch ihre Businesses tragen nicht zuverlässig und langfristig genug, ohne sie dabei auszubrennen. Sie sehen sich konfrontiert mit zu viel Unsicherheit, zu wenig Einkommen für zu viel Arbeit und zu wenig Erfüllung. Im Dauerstress bleiben Wirksamkeit und Selbstbestimmung irgendwann auf der Strecke.
Ein gutes Business ist eines, das 10, 20, 30 Jahre und mehr bestehen kann. Es muss aber nicht nur dein Leben finanzieren, sondern auch in der Lage sein, sich mit dir mitzuentwickeln, und es darf von äußeren Einflüssen wie Wirtschaftskrisen oder sich ändernden Bedingungen und Bedürfnissen nicht in die Knie gezwungen werden. Ein gutes Business ist wie eine gesunde Wildnis, die sich wandelt, neu belebt, organisch wächst und in harmonischem Zusammenspiel verschiedener Faktoren funktioniert, in der jede Jahreszeit ihre Daseinsberechtigung hat.
Im Wesentlichen ist meine Perspektive, dass ein gutes Business ganzheitlich sein muss. Dazu braucht es vier zentrale Elemente, die miteinander in Einklang stehen und gemeinsam wirksam werden. Ich nenne sie die Vier Elemente des seelenbasierten Business.

Die Ursachen der Schmerzen im Business
Wenn wir uns in irgendeiner Form mit unserem Business abmühen, äußert sich das in unterschiedlichen, teilweise sehr schmerzhaften Symptomen, deren Ursache in einem der Elemente liegt:
Die Seele im Business …
…repräsentiert den Menschen – dich, mich, uns als Business Inhaber, als Herz der ganzen Unternehmung, als “gute Seele” des Business. Wenn die Anbindung zu dieser inneren Stimme und Führung fehlt, äußert sich das in fehlender Freude und Vernachlässigung der eigenen Bedürfnisse – aus Erfüllung wird Leere und aus Liebe zur Arbeit ein Hamsterrad, weil das Leben sich permanent unterordnen muss. Wenn wir den Ruf unserer Seele ignorieren oder nicht wahrnehmen, geht unserem Business irgendwann selbst die Seele und damit die Lebensenergie verloren. Was wir darauf aufbauen, wird zur Hülle.
Leadership bedeutet Verantwortung
…uns selbst, unserem Business und unserem Wirken in der Welt gegenüber, von unseren Kunden und Partnern bis hin zu Wirtschaft und Gesellschaft. Hier kommen unsere Werte, Ethik und Integrität zum Ausdruck, hier äußert sich das, was wir an Gaben mitbringen, als Hingabe und Meisterschaft. Und hier geht es um den Profit, denn (auch ein Gutes bewirkendes) Business ist kein Hobby! Wenn wir in diesem Bereich nicht ehrlich zu uns selbst sind, wird das Handeln unauthentisch und wir folgen Strategien, die sich nicht gut anfühlen. Wir beziehen keine klare Postion(ierung) und sabotieren uns ständig selbst, werden unglaubwürdig und ungreifbar.
Eine instabile Business Architektur
…äußert sich in einem beschwerlichen Arbeitsalltag, in dem viel zu viele Bälle hochgehalten werden müssen und Auszeiten selten oder unmöglich sind. Die Angebote sind nicht profitabel, alles ist irgendwie Impro. Es wird immer wieder von vorn begonnen, auf Kosten von Zeit, Energie, Stabilität und Qualität für die Kunden. Das typische “selbst und ständig” Klischee wird hier zur Wahrheit, wenn die Systeme und Strukturen fehlen. Statt einem stabilen Haus hat man nur ein Zelt, das keinem Sturm wirklich standhält.
Ein Business braucht Beziehungen
…und zwar in Form einer wahrhaftigen Verbindung mit deinem Tribe. Uns wird beigebracht, uns stattdessen selbst zu vermarkten, “Leads zu generieren” statt Menschen zu berühren. Wir sprechen von “Conversion Rate” und Funnels, nicht von Vertrauen, Konversation und Resonanz mit denen, die zu uns passen und für die wir passend sind. Mit Druck und Manipulation sollen schnelle Kaufentscheidungen und Listenwachstum her. Die Konsequenz ist, das die meisten Selbständigen, mit denen ich zusammentreffe, Marketing entweder ganz vermeiden oder nur unter Widerwillen verbunden mit innerem Stress betreiben. Dabei braucht jedes Business diese Beziehungen, um zu florieren und seiner Aufgabe nachkommen zu können.
Du bist nicht allein – und du bist nicht das Problem
Was ich bis hierhin beschrieben habe, sind die direkten Auswirkungen und ihre Ursachen auf der persönlichen Ebene von uns Business Inhabern, wenn es irgendwo hakt in unserer Unternehmung oder wir in einer Business-Krise stecken. Es ist unsere individuelle Situation, die wir (scheinbar) auch direkt zum Besseren hin beeinflussen können, wenn wir uns nur mehr anstrengen. Aber: das trifft nur bedingt zu.
Tad Hargrave (Marketing for Hippies) lehrt in seinem Point of View Marketing die “Three Levels”, die Drei Ebenen. Dabei gibt es nach der beschriebenen persönlichen Ebene auch noch die kollektive Ebene, die ebenso zur Problematik beiträgt und durch die wir es nicht allein in der Hand haben. Sie besteht aus
- den zwischenmenschlichen Dynamiken, unseren Beziehungen, Gemeinschaften, den Menschen, mit denen unser Business interagiert;
- den Institutionen, also den systemischen Bedingungen (Cui Bono – folge dem Geld…);
- und schließlich den generationenübergreifenden, also familiären, aber auch kulturellen Einflüssen, denen wir ausgesetzt sind.
Die dritte, universelle Ebene ist das Gold, die in diesen nicht von uns allein zu beeinflussenden Wunden und Schieflagen liegt. Auf sie gehe ich am Ende dieses Artikels ein, denn jede noch so große Verletzung birgt in sich die eigene Heilung und hat einen Sinn.
Die tiefere Wahrheit dieser Business Wunden
Es könnte heilsam sein, innezuhalten und anzuerkennen, warum dieser Weg, unser Business langfristig gesund, ganz und funktionierend zu halten oder überhaupt erst einmal dahin zu bringen, für uns so hart und steinig sein kann.
Denn der Grund dafür liegt nur zu einem Teil bei uns selbst. Die Wurzel besteht aus sehr viel größeren Zusammenhängen der genannten kollektiven Ebene. Wir alle wachsen in einer “Kultur” auf und müssen in dieser agieren, die diese vier Elemente systematisch untergräbt. Die Seele wird als Humbug ausgeklammert, Leadership mit Macht verwechselt. Wir werden belohnt für Tempo, Lautstärke, Anpassung – nicht für Tiefe, Wahrheit, Verbindung.
Aber genau das brauchen wir: eine neue Art, Business zu leben. Nicht als rein profitables und funktionables System, sondern als Ausdruck deines Wesens. Nicht als Maschinerie, sondern als lebendiger Organismus. Nicht als Kampfplatz, sondern als Zuhause – für dich, deine Gaben, und die Menschen, die du berühren willst.
Die aus meiner Sicht tieferen Ursachen unseres Dilemmas
Wenn die Seele fehlt
Wir leben in einer der Seele an sich beraubten Welt. Sie ist wegrationalisiert. Aufklärung, Industrialisierung und Technologisierung haben aus einer einst beseelten Welt, in der alles mit allem verbunden und lebendig war, eine logisch erfassbare Ansammlung von Materie gemacht, in der nur existiert, was messbar ist und durch “Die Wissenschaft” legitimiert wurde (was im Absolut-Narrativ des Mainstream meist gleichgesetzt wird mit einer einzig gültigen Ansicht, als ob es nicht zum Kern derselbigen gehört, sich selbst zu widerlegen und in Frage zu stellen).
Als ich beschlossen habe, allein das Wort “Seele” in meine Business Ausrichtung zu übernehmen (geschweige denn das Konzept dazu), haben mich sogar diejenigen in meinem Umfeld gewarnt, die damit eigentlich etwas anfangen können, oder dem gegenüber zumindest nicht ganz unaufgeschlossen sind. “Das kannst du nicht machen, dann nimmt dich keiner mehr ernst und du wirst sofort in die Spiri-Ecke abgeschoben!”
Ich lasse es auf einen Versuch ankommen. Wir brauchen eine Wiederbeseelung der Welt.
Ich bin der Ansicht, dass all unsere Probleme aus Jahrtausenden von Unterdrückung und Kolonisierung herrühren, und zwar von uns allen, auf die eine oder andere Weise, in jüngsten Zeiten und in längst vergangenen. Eine Kolonisierung unserer Körper, unserer Seelen, unseres Geistes. Wenn ich mit jemandem über die Probleme dieser Welt spreche, und welches Übel wohl die Wurzel des menschlichen Dilemmas ist, kommt für mich am Ende immer alles zu einer Erkenntnis: Empire.
Das Imperium. Die Matrix. The Machine. Egal, wie du es nennst. Das Beherrschen des Anderen.
Wir lebten einst in Einklang mit der uns umgebenden Natur. Auch sie war beseelt, weswegen man nicht nahm, ohne zu geben, weswegen man mit Göttern verbunden war, die diesen Geist “verkörperten”, weswegen man sich mit ihrem Rhythmus bewegte, nicht dagegen. Dann wurde uns die Seele ausgetrieben, erst indem die Herrschenden sie abkoppelten von uns, als etwas, zu dem nur die Obrigkeit Zugang hat, dann, indem sie sie ganz infragestellten.
Aber die Seele ist noch immer da.
Noch heute nutzen wir irrwitzigerweise Ausdrücke wie “die gute Seele des Hauses”, das findet keiner komisch. Ich bin überzeugt, dass auch unser Business Haus eine Seele braucht, den Menschen, der es belebt, sein Herz und seine Verbundenheit zum Großen Ganzen dort einbringt.
Wer seiner Seele folgt und verbunden ist, ist nicht beherrschbar. Ich bin überzeugt, dass wir in neue Zeiten aufbrechen, und zumindest einige von uns ihrer Seele wieder zuhören, ihr folgen, ihr Raum geben, und auch die Seele der Natur und dieser Heimat Erde wieder spüren.
Die Seele unumwunden zum Leitstern der eigenen Unternehmung zu machen, während überholte Systeme fallen, ist ein Akt der R/Evolution. Und die hat längst begonnen.
Wenn Leadership nicht Verantwortung bedeutet
Leadership lässt sich übersetzen mit Führung, Leitung. Laut den meisten Wörterbüchern ist die Definition eines Führers „einer, der durch Einfluss führt“. Wir leben in einer Welt, in der “Führung” – egal ob es Nationen, Institutionen, Firmen sind – meist durch Macht und Autorität gegeben wird. Die Menschheitsgeschichte ist voll von Führern, die ganze Völker, Landstriche und die Welt ins Verderben führten. In unserer modernen Gesellschaft gibt es genügend Beispiele dafür, dass Leadership sehr häufig nichts mit Kompetenz, Erfahrung, Ehrlichkeit, Moral und Anstand zu tun hat und allzu leicht korrumpierbar ist, um die eigenen Privilegien zu wahren.
Die Menschen, die als Bürgermeister, Abgeordnete, Geschäftsführer, Vorstandsvorsitzende und andere in Autoritätspositionen durch ihre Handlungen und Entscheidungen Einfluss auf unser tägliches Leben nehmen, halten sich durch ihre Titel wahrscheinlich für Führungspersönlichkeiten, und wir akzeptieren sie als diese, schenken ihnen unser Vertrauen, ohne wirklich zu wissen, was sie qualifiziert oder eben auch nicht für diese Position. Oft genug werden CEOs von großen Konzernen und hochrangige Politiker gerade wegen ihrem Versagen mit höheren Ämtern oder riesigen Geldsummen als Abfindung “belohnt”. Politiker lernen, wie man sich wählen lässt, CEOs, wie man Profit vermehrt – aber wissen sie, wie man wahrlich führt?
Joseph M. Marshall, ein Angehöriger der Sicangu Lakota, schreibt in seinem Buch “The Power of Four: Leadership Lessons of Crazy Horse” zur Frage “Was ist ein Führer?”
“Wahre Führung ist nur möglich, wenn der Charakter wichtiger ist als Autorität – insbesondere diejenige Autorität, die Handlungen anderer zu erzwingen oder zu kontrollieren. Es ist der Charakter und nicht die Position, der Administratoren, Direktoren, Aufseher und sogar Senatoren, Kongressabgeordnete, Gouverneure und Präsidenten zu Führungspersönlichkeiten machen kann. […]
Die Lehre hier ist, dass Gesellschaften, Kulturen und Nationen nur dann funktionieren und gedeihen können, wenn wir alle die Führung im Sinne von Moral, Fairness, Gleichheit und Gerechtigkeit unterstützen und fördern. In diesem Sinne müssen wir nicht so sehr verlangen, dass unsere Führer mehr sind als wir als gewöhnliche Menschen, sondern dass sie das Beste, was wir als Individuen, Nationen, Gesellschaften und Kulturen sind, verkörpern und anwenden.”
Und er schreibt im Speziellen über den hochverehrten Lakota-Führer Crazy Horse:
“Crazy Horse lehrte nicht Führung; er zeigte sie einfach. Er wurde von vielen Führern beeinflusst, die vor ihm kamen, sowie von den Werten, die von seiner Kultur und Familie vertreten wurden.”
Crazy Horse hat sich nicht zum Führer gemacht. Die ihm folgten, weil er ihnen durch seine Taten bewies, dass sie ihm vertrauen können, machten ihn zu einem Anführer. Die Gemeinschaft machte ihn zu einem verantwortungsvollen Menschen, sie unterstützten und förderten das, was in ihm angelegt war.
Leadership ist vor allem eines: Verantwortung. Uns selbst gegenüber. Unserer Gemeinschaft gegenüber. Zukünftigen Generationen gegenüber.
Leadership braucht Charakter, es muss das Herz und die Seele inspirieren ebenso wie es den Mut braucht, die Wahrheit zu sagen und das Richtige zu tun. In Zeiten von Cancel Culture, Intoleranz und Mainstream-Hoheit über “richtig” und “falsch” erfordert das einigen Mut zur Ehrlichkeit. Es bedeutet, mit gutem Beispiel voran zu gehen. Es bedeutet, den eigenen essentiellen Werten treu zu bleiben. Diese Werte lernen wir normalerweise von unseren Familien und Gemeinschaften, die darauf achten, dass wir zu anständigen Menschen werden und uns zur Verantwortung ziehen, wenn wir davon abkommen. Kleine Stammesgesellschaften waren darauf angewiesen, es war überlebensnotwendig, das ihre Mitglieder diese Verantwortung tragen – nicht nur die Anführer, sondern auch die, die sie zu solchen machten.
In einer globalisierten und vereinzelten Welt, in der vielen von uns die Wurzeln und echte Gemeinschaften fehlen und wir gelernt haben, dass wir auf uns gestellt sind und alles allein können (müssen), fehlt uns dieser Kompass. Wir lernen kein echtes Leadership mehr, weil uns die Vorbilder fehlen. Unsere Kinder erfahren keine Inititation in ihre Erwachsenenrolle, unsere Ältesten schieben wir als wertlos ab, Führung wird durch Macht erlangt.
Mein geschätzter Freund und Kollege Jens Schwarzenbolz, der mit seiner Lebensgefährtin Bettina Wagner die Waldläufer Wildnisschule führt, hat mir in meiner Outdoor-Leadership-Ausbildung, die ich bei ihnen absolviert habe, noch eine Sicht auf “Leadership” eröffnet, die für mich absolut schlüssig ist und die ich mir seitdem selbst zur Prämisse gemacht habe:
Leadership ist der Dreiklang aus Führen, Leiten und Begleiten, wobei man in einer Führungsposition genau wissen sollte, in welcher Situation welche Rolle notwendig und angebracht ist. Als Business-Inhaber – egal ob Soloselbständigkeit oder Konzern – brauchen wir die Wiederbelebung echten Leaderships: eines, das mit Mut, Wahrheit, Verantwortung und Inspiration zum Wohle der Gemeinschaft, auf die wir einwirken, und damit schlussendlich auch uns selbst gegenüber
- zu führen weiß, auch wenn es unangenehm wird,
- (an)leiten kann, um Orientierung und Sicherheit bei gleichzeitiger Mitbestimmung zu gewährleisten,
- und begleiten kann, um Gemeinschaft und Selbstwirksamkeit des Einzelnen zu fördern.
Wenn Business Architektur nicht auf Qualität gründet
Wir leben in einer auf permanentes Wachstum und Konsum ausgerichteten Gesellschaft. Mehr. Schneller. Weiter. Die Konsequenz: nichts darf von Dauer sein. Hierbei geht es mir nicht um den natürlichen Wandel, in dem Dinge vergehen und wiedergeboren werden. Wandel ist Leben.
Es geht um Qualität. Früher vererbte man eine Schweizer Taschenuhr. Jahrhunderte alte Möbel tun noch immer ihren Dienst. Heute ist das Pressspan-Regal nach 3 Umzügen Geschichte. Schnell und billig aber bedeutet kurzlebig und ressourcenfressend. Wir graben uns selbst die Lebensgrundlagen ab für das Märchen vom unendlichen Wachstum und dem Heil des Konsums, das die Profiteure mit Greenwashing und zu Worthülsen verkommenden Erzählungen von Nachhaltigkeit ankleistern, und dass viele nur allzu gern glauben, um weiterhin “guten Gewissens” konsumieren zu können, um die innere Leere in einer entseelten und ent-Sinn-ten Welt zu füllen.
Dasselbe Prinzip gilt für Business Modelle. In wieviele schlecht durchdachte Start Ups wurde so viel Investitionskapital hineingepumpt, dass die ersten Jahre Euphorie herrschte, nur damit sie nach relativ kurzer Zeit scheiterten. Wieviele “Business Gurus” gibt es, die uns erzählen, wie einfach es ist, “100k in 3 Monaten” zu verdienen. Kann sein, dass das funktioniert, aber über 30, 50 Jahre und länger? Ich sage, das klappt nicht mal die ersten 3 Jahre. Bei all diesen Modellen fehlt die Substanz, es geht nur um schnellen Gewinn und dann was Neues. Das hat was von Heuschrecken-Plage.
Wachstum sollte organisch sein. Das bedeutet langsamer, aber auch tatsächlich nachhaltiger, stabiler, ressourcenschonender, mit tiefen Wurzeln.
Eine 300 Jahre alte Eiche hat einen Stammumfang von ca. 4 Metern. Sie wächst sehr langsam, hat aber eins der härtesten Hölzer. Und sie steht oft auch nach dem Blitzeinschlag noch.
Ein durchdachtes Business Modell mit einer stabilen Business Architektur wächst nicht in 3 Monaten und mit ein paar Hunderttausend Euro Turbodünger. Es wächst in seinem eigenen Rhythmus. Es wächst langsam, es dauert, bis es Früchte trägt und Krisen oder Wandel zuverlässig überstehen kann.
Aber es schont unsere Ressourcen – Zeit, Energie, Geld – und ist nicht auf Ausbeutung gebaut, sondern auf Klarheit, Substanz, Tragfähigkeit. Es ist wirklich nutzbringend für uns selbst, unser Leben, für unsere Kunden und Partner. Es ist etwas, das uns unser ganzes Leben begleiten kann, wenn wir das wollen.
Welches Haus stand im Märchen von den “Drei kleinen Schweinchen” am Ende noch? Genau.

Wenn Beziehungen nicht wahrhaftig sind
Marketing. Sales. Urghs! Allein beim Lesen dieser Worte zieht sich bei vielen von uns innerlich etwas zusammen. Die meisten Selbständigen, mit denen ich arbeite, empfinden Marketing als notwendiges Übel. Etwas, das man entweder schnell abgibt – oder nur so viel davon macht, wie unbedingt nötig. Und ehrlich gesagt: Keiner von uns will am anderen Ende von Verkaufsversuchen stehen. Wir flüchten vor Promotern in der Fußgängerzone, misstrauen Autoverkäufern und hassen unerwünschte Werbeanrufe.
Dabei sollte es eigentlich um etwas ganz anderes gehen: Beziehung. Vertrauen. Verbindung. Ich kann die Marketing Coaches an einer Hand abzählen, die Marketing wie Dating und Beziehung betrachten, nämlich basierend auf Respekt und gegenseitigem Einvernehmen.
Moderne Werbung wurde aus Propaganda geboren. Sie nutzt dieselben psychologischen Tricks politischer Ideologien, um die Untertanen gefügig und die Massen folgsam zu machen. Sie kreiert Bedürfnisse, die ohne sie nicht da wären, um sie dann mit einem Produkt zu bedienen. Die „gängigen“ Marketingtaktiken funktionieren oft über Druck, Knappheit und Verschleierung. „Discovery Calls“ sind eigentlich Verkaufsgespräche, kostenlose Webinare verkleidete Sales Pitches für hochpreisige Angebote. Künstliche Verknappung soll dich dazu bringen, jetzt sofort zu kaufen, obwohl das „exklusive 2-Stunden-Angebot“ auch morgen noch verfügbar ist.
Aber echte Verbindung braucht kein Versteckspiel. Marketing ist langfristig erfolgreicher, wenn wir auf Resonanz und Beziehung statt Überzeugung setzen. Wenn wir ehrlich sind. Wenn wir wir selbst sein dürfen.
Unsere Gesellschaft ist so durchdrungen von Zwang und Kontrolle, von Cancel Culture, von Mainstream-Druck. Sie hat Manipulation und versteckte Agenden zur Normalität gemacht. Es wird immer schwerer, wahrhaft in Beziehung zu treten, ohne Angst und ohne versteckte Absicht. Wir haben verlernt, uns sein zu lassen, man hämmert uns ein, den anderen nicht als gleichwertigen Menschen zu betrachten, wenn uns dessen Weltsicht nicht gefällt oder sie nicht dem gängigen Narrativ entspricht. Wir beschwören die “Individualität” aber huldigen in Wahrheit der Konformität.
Das Schwierigste im Business-Aufbau ist nicht, Kunden zu gewinnen, Angebote zu kreieren, sichtbar zu werden.
Die eigentliche Herausforderung ist, sich selbst und der eigenen Wahrheit 100 % treu zu bleiben – und sie zum Herz des Business zu machen. Das braucht Mut. Aber genau das ist es, was dein Business lebendig macht. Und das ist es, was am Ende bleibt – auch wenn die Strategien sich ändern.
Das Gold in diesen Verletzungen
Das hier ist die dritte, die “universelle Ebene”. Sie lässt sich auch als die spirituelle Ebene bezeichnen, denn sie antwortet auf die Frage nach dem Sinn des ganzen Dilemmas.
„Wer ein “Warum” zum Leben hat, kann fast jedes “Wie” ertragen.“
Sich nur auf diese universelle Ebene zu beschränken und sich darin “auszuruhen”, dass die Dinge eben sind, wie sie sind und das schon seinen Sinn hat, genügt aber nicht, das wäre “spiritual bypassing” und würde unsere gesellschaftlichen und strukturellen Probleme, die echtes Leid und realen Schmerz auch in uns verursachen, nur vergrößern. Wir haben – gerade als Selbständige, als Business Inhaber, eine Verantwortung, in unserem Wirkkreis positive Veränderungen herbeizuführen, und neben der Fürsorge für unser eigenes Wohlbefinden, damit wir gut da sein können, auch das große Ganze im Blick zu behalten, auf das wir mit unserem Business Einfluss nehmen. Unsere Perspektive zu erweitern, von unserer individuellen Problematik ausgehend auch zu berücksichtigen, dass wir nicht allein die Verantwortung tragen, ist der erste Schritt zum Wandel.
Wir leben in großen Umbruchzeiten. Sie sind herausfordernd, auf so vielen Ebenen, manchmal verlangen sie uns alles ab. Und gleichzeitig liegt in ihnen vielleicht wie noch niemals zuvor so viel Potential für uns, endlich einen neuen – und gleichzeitig so alten – Weg einzuschlagen: einen Weg der Verbundenheit, der Wahrhaftigkeit und der Liebe.
Wir haben die Kraft, das alles zu heilen, gerade weil es zerbrochen ist. Wenn wir den Schatten, der auf all dem liegt, anschauen, verliert er seine Macht. Wir können mit Bewusstheit, Integrität und Freude der wahren Schönheit dieser Welt wieder Raum geben – und sie verändern, ein Business nach dem anderen.
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Für mehr Freude, Integrität und wilde Leichtigkeit in deiner Unternehmung.